24 Nisan 2010 Cumartesi

HSV-Chef Hoffmann nimmt Labbadia aus Schusslinie

Mit demonstrativ zur Schau gestelltem Optimismus wollte Bernd Hoffmann seinen Hamburger SV nach der müden Nullnummer gegen den FC Fulham ins Finale der Europa League pushen und Trainer Bruno Labbadia aus der Schusslinie nehmen.

'Er ist fokussiert, macht seine Arbeit gut, und nun wollen wir sehen, dass die Ergebnisse kommen', forderte der ehrgeizige Clubchef, der unbedingt am 12. Mai in der eigenen Arena den Pokal in den Händen halten will. 'Wir hatten diese Woche ausreichend Alarm. Ich kann nicht erkennen, dass wir in Depressionen ausbrechen sollten, wir sind noch in zwei Wettbewerben dabei und fahren ganz entspannt nach London', sagte der Vorstandschef nach dem Halbfinal-Hinspiel.

Der Tonangeber der ambitionierten Hanseaten machte sich selbst Mut für die entscheidenden Schlusswochen einer Saison, die nicht wie im Vorjahr mit kollektiver Enttäuschung enden sollen: 'Ich sehe da nicht so schwarz, ich glaube, wir kriegen einen guten Saisonabschluss.' Im Vorjahr war Werder Bremen der Stolperstein in allen Wettbewerben, nach der Last-Minute-Qualifikation für Europa schmiss Coach Martin Jol die Brocken hin, wenig später verließ Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer den Club. Nun will man zumindest bis Saisonende mit Labbadia weitermachen, danach soll alles auf den Prüfstand gestellt werden - es wäre aber eine Überraschung, wenn der ehemalige Leverkusener Coach diese Analyse überstehen sollte.

'Ich bin abgehärtet, weil ich bei drei Traditionsvereinen war, wo immer viel Wirbel herrschte', meinte der verletzte Nationalspieler Marcell Jansen. Kleinigkeiten würden zu sehr aufgebauscht. 'Im Fußball wird zu viel über das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer gesprochen. Man muss die Trainer nehmen, wie sie sind', sagte Jansen, der sich noch Hoffnung auf die WM macht. Er plädiert für eine gelassenere Haltung zu Labbadia. Der habe stets jedem Spieler bei Problemen das Gespräch angeboten: 'Und damit ist es dann auch gut'.

Gut ist aber noch lange nicht alles im HSV-Gefüge, auch wenn Labbadia behauptet, ein breites Kreuz zu haben. Zwar freuten sich die HSV-Anhänger, dass Mladen Petric in der letzten Viertelstunde den lahmen Angriff belebte, nachdem seine Adduktorenprobleme eine nahezu wundersame Heilung erfahren hatten. 'Manchmal gibt es die, aber die Schlagzeilen waren nicht schön und Mladen hat dazu beigetragen', sagte Labbadia mit unverhohlener Kritik in Richtung des Stürmers, der seinem Coach vorgeworfen hatte, ihn zum Training gedrängt zu haben.

Anderen Führungsspielern wie Paolo Guerrero, Ruud van Nistelrooy und Zé Roberto habe gegen die mauernden Briten die Frische gefehlt. Und so ist noch lange nicht klar, wer in Hoffenheim dabei sein kann. 'Wir werden sicherlich die fittesten Spieler für diese Partie auf den Platz bringen', kündigte Labbadia an. Fraglich ist der Einsatz von Guy Demel (Knieverletzung), Zé Roberto (Wadenbeschwerden) und van Nistelrooy, der Probleme mit der Hüftbeugemuskulatur hat.

Und trotzdem soll das 0:0 ein gutes Omen sein: Immerhin ist der HSV in seiner glorreichen Europapokal-Tradition mit diesem Hinspiel-Ergebnis fünfmal in die nächste Runde eingezogen. Doch wie soll die Frische nach dem Auswärtsspiel in Hoffenheim vier Tage später im legendären Craven Cottage-Stadion wieder da sein? 'Wir brauchen diesen Rhythmus', behauptete Hoffmann ein wenig ironisch, 'eine Woche Pause hat uns in dieser Saison immer geschadet.'

Frank Rost, der mit dem Rücktritt aus dem Mannschaftsrat wegen der Kino-Affäre maßgeblich zu den Schlagzeilen der Woche beigetragen hat, prophezeit einen packenden 'Europacup-Fight' am kommenden Donnerstag: 'Uns muss nicht bange sein, es ist nichts verloren. Wir sind gut genug für ein Unentschieden oder einen Sieg auswärts. Im Craven Cottage wird eine Atmosphäre sein, in der mit Sicherheit keiner einschläft.' Nach seiner dritten Gelben Karte muss Piotr Trochowski, der zu den besten Hamburgern gehörte, auf der Tribüne zuschauen. 'Natürlich ist es eine Schwächung, dass Trochowski im Rückspiel nicht dabei ist. Aber dafür wäre er im Endspiel wieder dabei', sagte Rost.

Gäste-Keeper Mark Schwarzer war ähnlich optimistisch: 'Wenn man alles mitrechnet, was in den letzten paar Tagen abging, ist das ein Super-Ergebnis für uns. Ich glaube, für jeden war die lange Bus- Anreise ein bisschen schwierig.' Und immerhin hat Roy Hodgsons Team Juventus Turin mit 4:1 aus dem kleinen, aber lauten Stadion gefegt.

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